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Die zentralvietnamesische Provinz Quang Tri bietet viel Platz für Baumplantagen. © GIZ/Tristan Vostry
Auf dem Holzweg zum Erfolg

Die vietnamesische holzverarbeitende Industrie ist zunehmend auf nachhaltig angebautes Rohholz angewiesen. So setzen etwa Möbelexporte in die EU und die USA verstärkt eine anerkannte Zertifizierung sowie die Rückverfolgbarkeit der verwendeten Hölzer voraus. Die gestiegene Nachfrage stellt das Land vor große Probleme: Nur ein Bruchteil der vietnamesischen Plantagen kann eine anerkannte Zertifizierung vorweisen, die meisten Naturwälder gar keine. In der Folge müssen Rohhölzer teuer importiert werden. Dies lässt Vietnam im internationalen Wettbewerb denkbar schlecht dastehen.

Burkhard Gutzmann von der ForestFinance Service GmbH macht sich selbst ein Bild von der Situation in Vietnam. © GIZ/Tristan Vostry
Auf dem Holzweg zum Erfolg

„Es gibt hier viele Monokulturen“, schildert Burkhard Gutzmann von der ForestFinance Service GmbH die Situation, „und auf den Plantagen läuft alles nach dem Kahlschlag-Prinzip. Fünf bis sieben Jahre wachsen die Bäume, danach werden sie gefällt – oder noch schlimmer: abgebrannt. Im Anschluss wird minderwertige Ware nachgepflanzt – es geht nur um Biomasse.“ ForestFinance bietet in Form von Forstbeteiligungen diverse Direktinvestment-Produkte für internationale Groß- und Kleinanleger. Dabei steht Nachhaltigkeit an erster Stelle: Alle Wälder des Unternehmens sind gemäß den Standards des Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert; gleichzeitig engagiert es sich weltweit für umfassende Aufforstungsprojekte. Auch in Vietnam will ForestFinance Dinge zum Guten verändern – ganz nach seinem Motto „Wir machen Wald“.

Die Ben Hai Forestry Company in der zentral-vietnamesischen Provinz Quang Tri. © GIZ/Tristan Vostry
Auf dem Holzweg zum Erfolg

Angefangen hat alles mit der Ben Hai Forestry Company in der zentral-vietnamesischen Provinz Quang Tri. Gutzmann erklärt: „Wir hatten entschieden, in diese Firma zu investieren, da sie von allen Firmen der Region die besten Voraussetzungen für unsere Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards mitbrachte. Trotzdem war noch viel zu tun: Der forstliche Wissensstand war niedrig, die Baumsituation auf den Plantagen nicht so, wie wir sie haben wollten.“ Schnell war klar, dass eine Qualifizierung der Mitarbeiter von Ben Hai unumgänglich war. „Aber von Anfang an dachten wir: Wäre es nicht schön, wenn wir nicht nur diesem Betrieb, sondern der ganzen Region nachhaltiges Forstmanagement ans Herz legen könnten?“

Eine Mitarbeiterin der Ben Hai Forestry Company pflanzt und wässert neue Setzlinge. © GIZ/Tristan Vostry
Auf dem Holzweg zum Erfolg

Ein breit angelegtes Qualifizierungsprogramm stemmt ein Unternehmen nur schwer allein. ForestFinance entschied sich daher für eine Entwicklungspartnerschaft mit der sequa gGmbH: Mit ihrer langjährigen Erfahrung ist sie der optimale Partner für Bildungsmaßnahmen aller Art. Ermöglicht wurde die Partnerschaft durch das develoPPP.de-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Gemeinsames Ziel von ForestFinance und sequa: durch Bewusstseinsbildung und praktische Trainings ein nachhaltiges Forstmanagement in der Provinz Quang Tri fördern. Um die Breitenwirksamkeit des Vorhabens zu gewährleisten, wurden Vertreter der Provinzbehörde für landwirtschaftliche Entwicklung, DARD Quand Tri, mit ins Boot geholt.

ForestFinance-Vertreter Burkhard Gutzmann (Mitte) und Dang Mai Dun (3. V. r.) mit einigen Teilnehmern des Managementtrainings auf einer der Plantagen von Ben Hai. © GIZ/Tristan Vostry
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„Wir haben zwei Zielgruppen, die wir ausbilden müssen, um langfristig Erfolg zu haben“, sagt Gutzmann. „Das eine sind die Manager und das andere die Arbeiter.“ Im ersten Schritt entwickelte ForestFinance daher mithilfe der sequa einen Lehrplan sowie Unterrichtsmaterialien für ein FSC-orientiertes Train-the-Trainer-Programm. Als Räumlichkeit wurde ein Gebäudetrakt der Ben Hai Company auserkoren, der zu einem Trainingszentrum umgebaut wurde – inklusive Seminarräumen, Büro sowie Gästezimmer für externe Dozenten. 18 Personen auf Leitungsebene erhielten Schulungen im nachhaltigen Forstmanagement; auch ein Praxistraining im Wald mit anschließender Werkzeuglehre wurde durchgeführt. Neben Managern der Ben Hai Company und anderer Firmen waren unter den Teilnehmenden auch zwei Vertreter der DARD.

Ein Plantagenarbeiter posiert mit seiner Motorsäge – den sicheren Umgang damit lernte er bei den technischen Trainings. © GIZ/Tristan Vostry
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Im nächsten Schritt waren die Plantagenarbeiter an der Reihe: Dafür planten die Partner ein Facharbeiter-Training bestehend aus 13 separaten Modulen à zwei bis drei Tagen. In einem Zeitraum von acht Monaten wurden so 45 Personen in Bereichen von A wie Aufforstung bis Z wie Zuschneiden mit der Kettensäge geschult. Gutzmann weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig insbesondere die Basics sind: „Wir hatten teilweise Erntetrupps, die die Anweisung, das Holz in 2,60 m lange Teile zu schneiden, nicht umsetzen konnte. Hinterher hatten wir Bretter, die zwischen 1,80 m und 3,20 m waren – also unbrauchbar. Heute können wir die geschulten Saisonkräfte anstellen und müssen nicht jedes Jahr neue Leute trainieren. Und wir können sie besser bezahlen, weil sie qualitativ hochwertige Arbeit leisten.“

Dang Mai Dung, leitende Vertreterin von ForestFinance Vietnam. © GIZ/Tristan Vostry
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„Neben dem sicheren Umgang mit der Motorsäge haben die Arbeiter auch den Einsatz einer speziellen Software gelernt, die wir zur Verfügung gestellt haben“, ergänzt Dang Mai Dung, leitende Vertreterin von ForestFinance Vietnam. „Damit kann das Wachstum einzelner Bäume und der Plantage im Ganzen viel effizienter verfolgt werden.“ Hilfe bei der Übersetzung des Unterrichtsmaterials und bei der Durchführung der Trainings bekamen die Partner von der örtlichen NGO Consultative and Research Center on Natural Resource Management (CORENARM). Als Non-Profit-Organisation im Bereich nachhaltiges Ressourcen-Management wurde sie rekrutiert, um auch nach Projektende die Trainings weiterzuführen.

Phan Van Phuoc, stellvertretender Geschäftsführer der Ben Hai Forestry Company. © GIZ/Tristan Vostry
Auf dem Holzweg zum Erfolg

Bei den Trainings wurde zwischen technischer Ausbildung und Bewusstseinsschaffung differenziert: „Jemandem eine neue Baumfäll-Technik beizubringen ist nichts im Vergleich dazu, die Einstellung von jemandem zu ändern“, findet Phan Van Phuoc, stellvertretender Geschäftsführer der Ben Hai Forestry Company. Zusätzlich zu praktischen Kniffen wurde den Beteiligten daher der Stellenwert von Nachhaltigkeit in der Holzindustrie erläutert. So lernten sie etwa, warum ein gemischter Anbau langfristig mehr verspricht als eine Monokultur, und was der Vorteil von längeren Erntezyklen ist. „Das hat mich an dem Projekt wirklich beeindruckt“, so Phan, „dass unsere Leute jetzt mehr auf Umweltschutz bedacht sind und selber mitdenken.“

Mitglieder der örtlichen Behörde für ländliche Entwicklung, DARD – sie unterstützte die Projektpartner bei der Vorstellung des erstellten Trainingsleitfadens auch in anderen Provinzen. © GIZ/Tristan Vostry
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Großes war geschafft – mithilfe von ForestFinance und sequa hatte das Unternehmen Ben Hai die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt. Doch ein wichtiger Schritt stand noch aus: die Stärkung eines nachhaltigen Forstmanagements auch über die Grenzen von Ben Hai hinaus. Zu diesem Zweck entwickelten die Partner – auf Grundlage der gesammelten Erfahrungen aus Manager- und Facharbeiter-Trainings – einen detaillierten „Leitfaden für nachhaltiges Forstmanagement“, der sowohl ins Englische als auch ins Vietnamesische übersetzt wurde. Die Kontaktaufnahme zur örtlichen Behörde für ländliche Entwicklung, DARD, zeigte Wirkung: Am 26. September 2013 wurde der Leitfaden vom Volkskomitee von Quang Tri offiziell als Grundlage der künftigen forstpraktischen Aus- und Weiterbildung in der Provinz vorgestellt.

Grün so weit das Auge reicht: Die Plantagen der Ben Hai Forestry Company. © GIZ/Tristan Vostry
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Im Rahmen einer Sensibilisierungskampagne bewarb ForestFinance den Leitfaden anschließend bei zahlreichen Workshops und medienwirksamen Veranstaltungen in der Region und konnte ihn so auch Vertretern einiger benachbarter Provinzen ans Herz legen – das Projekt schien erfolgreich beendet. Doch dann kam ein verheerender Sturm und zerstörte die Hälfte der Baumbestände von Ben Hai – ein Schock für alle Beteiligten. Anstatt zu verzagen, reagierten diese jedoch schnell und professionell: Sie nutzten die Gelegenheit für Trainings zum praktischen Krisenmanagement, auch weil die Aufräumarbeiten nach einem Unwetter den regulären Durchforstungsaktivitäten ähneln. Damit sind nun alle auch für den schlimmsten Fall gerüstet.

Olaf van Meegen, Projektverantwortlicher bei ForestFinance, im Bonner Büro. © GIZ/Tristan Vostry
Auf dem Holzweg zum Erfolg

„Diese Maßnahmen waren natürlich nicht eingeplant“, so Olaf van Meegen, Projektverantwortlicher bei ForestFinance. „Die sequa ist uns daher mit einer Projektverlängerung entgegengekommen, sodass wir die Aufräumarbeiten in Ruhe beenden konnten. Klar ist, dass wir sie ohne die finanzielle Unterstützung durch das develoPPP.de-Projekt nicht hätten leisten können.“ Van Meegen zieht eine positive Bilanz für das Bonner Unternehmen: „Wir haben heute eine bessere Bewirtschaftung der Flächen, was auch im Interesse unserer Investoren liegt. Und getreu dem Motto ‚Tue Gutes und rede darüber‘ haben wir auch kommuniziert, dass wir in Vietnam ein develoPPP.de-Projekt durchführen. Unsere Kunden haben das absolut begrüßt.“

Burkard Gutzmann und  Phan Van Phuoc legen symbolisch die Hand auf einen jungen Baum – er steht für die nachhaltig gesicherte Zukunft Ben Hais Wälder. © GIZ/Tristan Vostry
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Inzwischen ist das Holz der Ben Hai Forestry Company FSC-zertifiziert und es gibt sichtbare Veränderungen – im wahrsten Sinne des Wortes: „Man kann gut sehen, dass die Flächen heute mehr Struktur aufweisen“, so Gutzmann. „Es gibt Bäume verschiedenen Alters und auch Totholz. Das ist deutlich über dem Status quo in Vietnam. Wir werden aber auch in Zukunft weiter daran arbeiten, dass sich die Situation im ganzen Land noch mehr bessert.“ Mit Ben Hai als erfolgreichem Vorbild für andere Forstunternehmen, der Weiterführung der Trainings durch CORENARM auch über das Projektende hinaus sowie der Unterstützung seitens der Provinzbehörden haben ForestFinance und sequa dafür beste Voraussetzungen geschaffen.

Projekt

Die vietnamesische holzverarbeitende Industrie steht unter Druck: Kunden weltweit fordern verstärkt eine anerkannte Zertifizierung verarbeiteter Hölzer, doch das Land kann die Nachfrage nur schwer bedienen. Monokulturen und kurze Erntezyklen beherrschen das Bild.

Die ForestFinance-Service-GmbH kennt die Probleme auf Vietnams Rohholz-Plantagen. Sie hat sich auf ökologische Wälder als Investitionsprodukte spezialisiert und schafft so weltweit nachhaltig beforstete Waldflächen. Auch in Vietnam will sie ein umweltgerechtes Forstmanagement auf den Weg bringen – und erhielt dafür über das develoPPP.de-Programm Unterstützung von der sequa.

Gemeinsam organisierten die Partner praktische und theoretische Trainings zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Das Forstunternehmen Ben Hai stellte dafür seine Geschäftsräume bereit und entwickelte sich zur Vorzeigefirma in der Provinz Quang Tri. Die gesammelten Erfahrungen flossen anschließend in einen Leitfaden zum nachhaltigen Forstmanagement, der Interessierten im ganzen Land als Grundlage für eine langfristig erfolgreiche Holzproduktion dient.

Mehr Informationen zum Projekt auf www.develoPPP.de

Factsheet zum Projekt

Jeder fängt mal klein an: Dieser Baumsetzling wird später als robuster Rohstoff seinen Dienst erweisen. © GIZ/Tristan Vostry

Unternehmen

ForestFinance

Mitte der 90er Jahre begann die ForestFinance Gruppe, Wälder in Panama nach ökologischen Standards aufzuforsten. Inzwischen bietet sie weltweit Direktinvestments in ökologische Aufforstungen und nachhaltige Waldprojekte an – für private sowie gewerbliche Anleger. Ganz nach dem Motto „Wir machen Wald“ trägt ForestFinance langfristig dazu bei, Wald zu schaffen, indem es zertifizierte, nachhaltig angelegte Forste in Investitionsprodukte verwandelt.

Homepage: ForestFinance


Partner

sequa gGmbH

Im Rahmen von develoPPP.de ist die sequa die Partnerorganisation an der Seite von ForestFinance. Das gemeinnützige Unternehmen ist Spezialist in Fragen der beruflichen Bildung und Qualifikation. sequa agiert als Bindeglied zwischen Privatwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit.

Der öffentliche Partner sequa auf www.develoPPP.de

Das develoPPP.de-Programm im Internetauftritt der sequa

 

 


Ben Hai Forestry Company

Die Ben Hai Forestry Company ist ein staatliches Forstunternehmen mit Sitz in der zentral-vietnamesischen Provinz Quang Tri. Ihr Geschäft ist die Produktion von und der Handel mit allen Arten von Wald-Ressourcen; darüber hinaus ist sie in den Bereichen Landwirtschaft und Ökotourismus tätig. In der Region ist sie die erste Firma ihrer Art, die mit ausländischen Partnern kooperiert, um ein nachhaltiges Forstmanagement auf den Weg zu bringen.

Homepage: Ben Hai


Consultative and Research Center on Natural Resource Management

Das Consultative and Research Center on Natural Resource Management (CORENARM) wurde 2005 als unabhängige Non-Profit-Organisation in der vietnamesischen Provinz Thua Thien Hue gegründet. Durch Forschung und Beratungsleistungen setzt sich das Zentrum für einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen ein.

Homepage: CORENARM


Land

Die vietnamesische Volkswirtschaft entwickelt sich seit Mitte der 1980er Jahre schrittweise von einer Plan- zur Marktwirtschaft; bis zum Jahr 2020 will Vietnam den Status eines Industrielandes erreicht haben. Die Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliches Engagement und internationale Investoren haben sich verbessert, die Exportwirtschaft hat sich gut entwickelt. 2011 wurde eine strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Vietnam vereinbart, die 2013 erneuert wurde – mit einem Fokus auf Berufliche Bildung, Energie und Umwelt.

Homepage des BMZ: Informationen zu Vietnam